Christoph Wagner, Nils Büttner (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2019 Heft 2

Heft 2 von 2019

Vorwort der Herausgeber Feine Sahne Fischfilet: was für ein missglückter Auftakt in das Bauhausjahr 2019! Gemeint sind die Bauhaus-Querelen um die gleichnamige linke Punkband in der Alten Brauerei in Dessau. „Wir als Bauhaus sind ein bewusst unpolitischer Ort“, ließ die offizielle Sprecherin verlauten. Als das Bauhaus 1933 aus politischen Gründen geschlossen wurde, sah man das offensichtlich anders. Die Geschichte bleibt stets im Fluss und steht für immer neue Deutungen offen. Jubiläumsjahre haben es in sich, nicht nur quantitativ durch die Vielzahl von größeren und kleineren Ausstellungen, der Neupräsentation von Sammlungen und Neueröffnungen von mehreren Bauhaus-Museen – vor allem aber durch eine Flut neuer Publikationen. Dieser Herausforderung stellt sich das Journal für Kunstgeschichte, wenn wir in diesem und in den folgenden Heften einen Überblick über die Vielzahl der Neuerscheinungen geben, die nicht nur anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Bauhaus, sondern auch zur Wiederkehr des 500. Todestages von Leonardo da Vinci am [...]

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1. Auflage (2018), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 18. Juni 2018
Artikelnummer: 51912 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Feine Sahne Fischfilet: was für ein missglückter Auftakt in das Bauhausjahr 2019! Gemeint sind die Bauhaus-Querelen um die gleichnamige linke Punkband in der Alten Brauerei in Dessau. „Wir als Bauhaus sind ein bewusst unpolitischer Ort“, ließ die offizielle Sprecherin verlauten. Als das Bauhaus 1933 aus politischen Gründen geschlossen wurde, sah man das offensichtlich anders. Die Geschichte bleibt stets im Fluss und steht für immer neue Deutungen offen. Jubiläumsjahre haben es in sich, nicht nur quantitativ durch die Vielzahl von größeren und kleineren Ausstellungen, der Neupräsentation von Sammlungen und Neueröffnungen von mehreren Bauhaus-Museen – vor allem aber durch eine Flut neuer Publikationen. Dieser Herausforderung stellt sich das Journal für Kunstgeschichte, wenn wir in diesem und in den folgenden Heften einen Überblick über die Vielzahl der Neuerscheinungen geben, die nicht nur anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Bauhaus, sondern auch zur Wiederkehr des 500. Todestages von Leonardo da Vinci am 2. Mai 1519 und des 450. Todestages von Pieter Brueghel am 9. September 1569 erschienen sind und erscheinen werden. Zu solchen Jubeljahren gibt es natürlich Neuauflagen und Umetikettierungen, oder Bücher, die mit einem neuen Vorwort, einigen ergänzenden Zeilen, einem erweiterten Abbildungsteil, in neuem Format zurechtgeschnitten oder auf dickerem Papier gedruckt, dem Buchmarkt marketinggerecht zugeführt werden. Da gibt es auch die üblichen Auftragskompositionen und essayistischen Schnellschüsse, vor allem im Bereich der Biographien, die dann nicht einmal aus eigener wissenschaftlicher Quellenarbeit hervorgegangen sind, sondern einfach mehr oder weniger gekonnt die vorliegende Forschungsliteratur ausschlachten, um ein Künstlerleben zum mehr oder weniger grell aufgeschminkten literarischen Ereignis zu machen: Da muss ‚das wahre Leben des Walter Gropius‘ wenigstens als ‚Geschichte eines Hochstaplers‘ präsentiert werden, damit die Leser nicht merken, dass alles, was hier an Inhalten zu finden ist, auf der nach wie vor lesenswerten Biographie von Reginald R. Isaacs fußt. Da wird in einem der renommiertesten Geschichtsverlage von einem kunstbegeisterten Laien eine Leonardo-Biographie vorgelegt, die für die kunsthistorische Forschung nichts Neues bringt. Vielfach muss man schon zufrieden sein, wenn das, was man hier vorfindet, das sprichwörtliche Bonmot „se non è vero, è ben trovato“ nicht allzu sehr strapaziert. Man muss schon ein wenig schauen, bis man die wertvollen Materialerschließungen oder die präzisen neuen historischen Kontextualisierungen zu den Jubiläumsthemen findet. Hinzukommen die zumeist unter hohem Zeitdruck produzierten Katalogprojekte, die natürlich zum Termin der Ausstellungseröffnung Vorliegen müssen, auch wenn mit diesem Datum nicht immer die notwendige Erkenntnisarbeit abzuschließen ist. Inzwischen sind einige Museen auch dazu übergangen, gar keine Publikation mehr vorzulegen, was ebenfalls misslich ist, weil man dadurch nicht einmal mehr erfährt, was in den Ausstellungen zu sehen war. In der Kunstgeschichte wird man sich in neuer Weise darauf besinnen müssen, wie man unter den modernen multimedialen Bedingungen einer digitalen Kommunikationsgesellschaft wissenschaftliche Erkenntnisse – auch jenseits der von Jubiläumsjahren und vom Kunstmarkt dirigierten Blockbuster-Ereignisse wie der millionenschweren Versteigerung von Leonardos Salvator Mundi im November 2017 bei Christie’s in New York – breitenwirksam und gut lesbar an ein großes Publikum vermittelt. Man mag zwar aktuell beklagen, warum alles und jedes, was die Avantgardebewegungen seit den 1920er Jahren zwischen Hamburg, Berlin, Frankfurt und München hervorgebracht haben, plötzlich unter der Überschrift ‚Bauhaus‘ gelabelt werden muss, wie zum Beispiel das an der Burg Giebichenstein in Halle entworfene Geschirr der Nachkriegszeit. Und doch freut man sich, wenn die an vielen Orten ohne großes Werbetamtam präsentierten neuen Einsichten ihr Publikum erreichen. Auch außerhalb der großen Bauhaus-Werbemaschinerie sind da kleine, feine Präsentationen anzutreffen, wie etwa im Germanischen Nationalmuseum mit einer exquisiten Auswahl an wahren Bauhaus-Designikonen, oder dem Versuch im Neuen Museum Nürnberg, die Designgeschichte von der Spielkultur am Weimarer Bauhaus bis in die Zeit der Computerspiele fortzuschreiben, oder in der Kunstvilla in Nürnberg, wo die Spuren der Nürnberger Nachkriegskünstler zum Bauhaus zurückverfolgt werden: darunter auch der Bildhauer Willy Bloss (1906–1946), der sich in seinen fotografisch in Szene gesetzten Knickerbockern postwendend vom Bauhaus distanzierte, um zum Nationalsozialismus überzulaufen, das fußläufig von der Kunstvilla aus erreichbare Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten lässt grüßen. Das sind die Geschichten, die die Bedeutung des Bauhauses auf dem Wege einer neuen Quellenerschließung für die Nachkriegsmoderne erst noch aufzuschlüsseln haben. Und auch das Begräbnis erster Klasse, das man jüngst Emil Nolde bereitete, sollte weniger als End-, denn als Ausgangspunkt einer weiterführenden kunsthistorischen Diskussion und Forschung betrachtet werden. Wie immer danken wir unseren Autorinnen und Autoren des Journals, die sich für unsere Leserinnen und Leser auch weiterhin unermüdlich durch die Neuerscheinungen des Jubiläumsbauhausjahres hindurcharbeiten.

Christoph Wagner, Nils Büttner (Hrsg.)

Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2018)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 300 g
Erscheinungsdatum: 18. Juni 2018
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

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