Christoph Wagner, Birgit Ulrike Münch (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2020 Heft 1

Heft 1 von 2020

Vorwort der Herausgeber Kanon-Korrekturen Im vergangenen Herbst konnte das MoMA nach mehrmonatiger Renovierung wiedereröffnen. Ab diesem Zeitpunkt stammen nun 28 Prozent der Exponate der Dauerausstellung von Künstlerinnen – dies bedeutet fünfmal mehr als zuvor. Dynamischer soll die Hängung auch in der ständigen Ausstellung werden, Artefakte wandern und treffen sich in neuen Konstellationen, Künstler aus Lateinamerika und Indien finden nun vermehrt Platz. Landauf und landab wird auch in zahlreichen temporären Ausstellungen die Position von Künstlerinnen in der Kunstgeschichte neu diskutiert, unmöglich sie alle an dieser Stelle aufzuzählen. Nahezu gleichzeitig hat das Amsterdam Museum den Begriff „Golden Age“ als problematisch erkannt und gestrichen. Die Dauerausstellung im Hermitage Museum hiess zuvor „Dutchmen on the Golden Age“ – nun trägt sie den Titel „Group Portraits of the 17th century.“ Kurator Tom van der Molen erläutert, dass der Wohlstand, Frieden und Opulenz suggerierende Begriff mit Blick auf die historische Realität des kriegsgeplagten 17. Jahrhunderts mit [...]

11,00 

Enthält 7% Mwst.
zzgl. Versand
Lieferzeit: ca. 2-3 Werktage
1. Auflage (2020), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 16. März 2020
Artikelnummer: 50011 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Kanon-Korrekturen Im vergangenen Herbst konnte das MoMA nach mehrmonatiger Renovierung wiedereröffnen. Ab diesem Zeitpunkt stammen nun 28 Prozent der Exponate der Dauerausstellung von Künstlerinnen – dies bedeutet fünfmal mehr als zuvor. Dynamischer soll die Hängung auch in der ständigen Ausstellung werden, Artefakte wandern und treffen sich in neuen Konstellationen, Künstler aus Lateinamerika und Indien finden nun vermehrt Platz. Landauf und landab wird auch in zahlreichen temporären Ausstellungen die Position von Künstlerinnen in der Kunstgeschichte neu diskutiert, unmöglich sie alle an dieser Stelle aufzuzählen. Nahezu gleichzeitig hat das Amsterdam Museum den Begriff „Golden Age“ als problematisch erkannt und gestrichen. Die Dauerausstellung im Hermitage Museum hiess zuvor „Dutchmen on the Golden Age“ – nun trägt sie den Titel „Group Portraits of the 17th century.“ Kurator Tom van der Molen erläutert, dass der Wohlstand, Frieden und Opulenz suggerierende Begriff mit Blick auf die historische Realität des kriegsgeplagten 17. Jahrhunderts mit seinen vielfältigen Ausprägungen von Armut, Sklaverei und Menschenhandel nicht mehr annehmbar sei. Seit Dezember 2019 liegt der erste Leitfaden Provenienzforschung zur Identifizierung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut für Museumsmitarbeiter, Bibliothekare und Archivare vor, als Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, des Deutschen Museumsbundes e.V., des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V., von ICOM Deutschland e.V. und weiteren Partnern und ist online abrufbar.1 Ein anderer Umgang mit dem Kolonialismus beschäftigt Museumsdirektorinnen wie Nanette Snoep oder Inès de Castro. Gefordert wird an vielen Orten eine Sensibilisierung für einen Kulturwandel, diskutiert wird die unabdingbar notwendige Mehrstimmigkeit innerhalb der Museen durch verschiedenen Geschichten, die parallel erzählt werden müssen, um ein ganzes Bild zu ergeben, und auch der Hinweis auf die Gefahr, Kulturen in einer „Momentaufnahme“ einzufrieren. Diese wenigen Beispiele zeigen, dass in ganz unterschiedlichen Bereichen ein Umdenken im Gange ist, eine als notwendig erachtete Korrektur des Blickes. Das erste Heft des Jahres 2020 stellt sich mit einem neuen Herausgeber-Tandem vor: An Stelle von Nils Büttner wird nun Birgit Ulrike Münch als Mitherausgeberin zusammen mit Christoph Wagner das Journal für Kunstgeschichte betreuen. Wir nehmen diesen Wechsel zum Anlass, auf die aktuellen Positionen und Debatten noch stärker einzugehen, und haben im Zuge dessen unsere Systematik einem kleinen erweiternden makeover unterzogen, das wir in den nächsten Heften präsentieren werden. So werden in Zukunft etwa auch Rubriken wie Provenienz- und Sammlungsgeschichte, Queer Studies oder auch Kunst und Ökologie zu finden sein. Wir freuen uns nach wie vor über Rezensionsvorschläge aus allen Kategorien und möchten darüber hinaus nochmals den Hinweis geben, dass wir auch gerne vermehrtRezensionen auf Englisch, Französisch oder Italienisch aufnehmen. Das Journalsoll internationaler werden.Das vorliegende Heft spannt einen weiten Bogen, und dies in mehrere Richtungen. Von der Mythenbildung zu Alexander dem Großen vom Todesjahr des Makedonenkönigs 323 v. Chr. an bis heute, die John Boardman, Archäologe und Kunsthistoriker in seinem 2019 erschienenen Werk unternahm, über die Frage nach ganz anders gearteten Mythenbildungen, wenn es um den „Mythos Jerusalem“ und seine Wirkung auf römische Kunst geht und rezente Überlegungen der cultural memory studies aufgegriffen werden. Der Mythos „Künstlerhaus“ – der keinesfalls auf die immer wieder zitierten Beispiele Dürers, Rubens’ und Mantegnas begrenzt bleiben darf, vor allem aber auch als Phänomen langer Dauer ab dem Mittelalter skizziert werden kann, wird ebenso angesprochen wie Einzelbetrachtungen zu Jacopo de` Barbari, Velázquez, Wolfgang Paalen, Camillo Rusconi, Ernst Rietschel, Ferdinand Kriwet. Besonders hervorgehoben – gerade in Anbetracht des eingangs angesprochenen und selbst unter der zeitgenössischen Künstlerschaft auffälligen Ungleichgewichts – sei an dieser Stelle auf Marina Abramovićs erzählter und von James Kaplan diktierter Autobiographie verwiesen, die die Performancekünstlerin sowohl ihren Freunden, als auch ihren Feinden widmete. Wie stets danken wir unseren Autorinnen und Autoren für ihre Beiträge, ohne die das Journal nicht leben würde. Unser herzlicher Dank gilt ebenso Celina Berchtold, die die redaktionelle Umstrukturierung und die lektorierende Betreuung des vorliegenden Heftes zuverlässig begleitet hat. Das Vorwort darf nicht enden, ohne Nils Büttner einen freundschaftlich-kollegialen, vor allem aber großen Dank auszusprechen. Er hat das Journal für Kunstgeschichte seit 2013 mit großem Engagement, Freude und Charisma mit herausgegeben, viele NachwuchswissenschaftlerInnen für Rezensionen gewonnen und das Profil maßgeblich mitgeprägt. Er wird uns als Autor und kritischer Leser weiterhin begleiten.

Christoph Wagner, Birgit Ulrike Münch (Hrsg.)

Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2020)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 311 g
Erscheinungsdatum: 16. März 2020
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

Folgende Downloads stehen für diesen Titel zur Verfügung: