Christoph Wagner, Birgit Ulrike Münch (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2020 Heft 4

Heft 4 von 2020

Vorwort der Herausgeber Jahresende im Ungewissen und neue Zeiten Die Wahl in den USA hat uns in den vergangenen Wochen in Atem gehalten. Viele Kunstschaffende haben mit Social Media-Posts und Aktionen ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass unter einem Präsidenten Joe Biden auch die Kunstpolitik anders und mutmaßlich besser werden wird. Der Künstler Matthew Levee Chaves etwa rief U-Bahn-Pendler dazu auf, ihre Meinung zu Donald Trump auf Post-it-Zetteln festzuhalten. Dieser papierne ‚American Quilt‘ ist nun Teil der Sammlung des Museums der New York Historical Society. Trumps Vorstöße, den steuerlichen Abzug privater Zuwendungen an Kulturprojekten zu untersagen, hatte während seiner Regierungszeit die in den USA übliche Finanzierung von Kunstwerken durch private Mäzene massiv bedroht. Die zusätzlich pandemiebedingt hart getroffene Kulturszene feiert Joe Biden und Kamala Harris und setzt große Hoffnungen auf neue Zeiten in der Kunstpolitik. Im Gegensatz zu Trump sind beide bereits vielfach als engagierte Kunstförderer in die Öffentlichkeit getreten. Auch [...]

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1. Auflage (2019), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 09. Dezember 2019
Artikelnummer: 50014 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Jahresende im Ungewissen und neue Zeiten Die Wahl in den USA hat uns in den vergangenen Wochen in Atem gehalten. Viele Kunstschaffende haben mit Social Media-Posts und Aktionen ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass unter einem Präsidenten Joe Biden auch die Kunstpolitik anders und mutmaßlich besser werden wird. Der Künstler Matthew Levee Chaves etwa rief U-Bahn-Pendler dazu auf, ihre Meinung zu Donald Trump auf Post-it-Zetteln festzuhalten. Dieser papierne ‚American Quilt‘ ist nun Teil der Sammlung des Museums der New York Historical Society. Trumps Vorstöße, den steuerlichen Abzug privater Zuwendungen an Kulturprojekten zu untersagen, hatte während seiner Regierungszeit die in den USA übliche Finanzierung von Kunstwerken durch private Mäzene massiv bedroht. Die zusätzlich pandemiebedingt hart getroffene Kulturszene feiert Joe Biden und Kamala Harris und setzt große Hoffnungen auf neue Zeiten in der Kunstpolitik. Im Gegensatz zu Trump sind beide bereits vielfach als engagierte Kunstförderer in die Öffentlichkeit getreten. Auch die Leihanfragen, über die traditionellerweise aus dem Weißen Haus Kunstwerke aus öffentlichen Museen für den amerikanischen Präsidenten angefordert werden, werden bei Biden wohl erfolgsversprechender verlaufen, als unter Trump: Dessen Anfrage an das Guggenheim, das van Gogh-Gemälde Landschaft im Schnee ausleihen zu dürfen, wurde 2018 von der leitenden Kuratorin Nancy Spector abgelehnt. Stattdessen bot man ihm hintersinnig das Objekt America an, eine 18-Karat-Goldtoilette des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan: Mit Hinweis auf die goldene Ausstattung seines Manhattaner Penthouses sei der Kunstvorschlag, den die engagierte Trump-Gegnerin mit Cattelans Werk unterbreitete, nachgerade ideal! Dieser deutliche Seitenhieb durch ein Kunstwerk, das kritisch die Auswüchse von Luxus und Ausbeutung visualisiert, löste 2018 eine rege Diskussion aus. Es bleibt abzuwarten, ob sich Biden wie Barack Obama eher für die Kunst Mark Rothkos oder Jasper Johns oder für ganz andere Werke entscheiden wird. Die vorliegende Ausgabe trifft mit der Rezension Peter Kriegers über Charlotte Klonks Publikation Terror. Wenn Bilder zu Waffen werden ein leider nicht weniger aktuelles Thema. Die Proteste und vielfältigen Aktionen in Museen und auf den Straßen weltweit für einen neuen Umgang mit Cultural Heritage greifen im Format einer Doppelrezension Celina Berchtold und Ulrich van der Heyden in ihren beiden Besprechungen zu Fiktion Kongo, herausgegeben von Nanina Guyer und Michaela Oberhofer, auf. Um innovative Ausstellungsideen und Museumskonzepte dreht es sich in der Zusammenarbeit der Brücke-Künstler mit Prager Kunstschaffenden in Jörg Deuters Publikation, die von Gerd Presler rezensiert wurde. Die von Barbara Mundt vorgelegte Arbeit zum Museumsalltag des Berliner Kunstgewerbemuseums vom Kaiserreich bis zur Demokratie und einer erstmals detaillierten Chronik findet eine Rezension durch Daniela Maier. Die Ausstellungstätigkeit der Leipziger Museen und Galerien zwischen 1900–1914 sowie drei aktuelle Einzelschauen zu Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth, die in der von Marcus Andrew Hurttig und Alfred Weidinger herausgegebenen Publikation Impressionismus in Leipzig von Barbara Muhr besprochen werden, schließt daran sehr passend an. Die umfangreiche Studie Kristin Böses zum Verhältnis rahmender Seitengestaltung anhand von Manuskripten des 9. bis 12. Jahrhunderts der Iberischen Halbinsel, somit in christlich-muslimischen Grenzräumen, wurde von Peter K. Klein besprochen, während zwei weitere, thematisch sehr unterschiedlich geartete Ausstellungskataloge rezensiert wurden. Zum einen zu dem wiederentdeckten ‚niederrheinischen Riemenschneider- Pendant‘, Arnt der Bildschneider, ein von Guido de Werd und Moritz Woelk vorgelegter Katalog, der von Uwe Albrecht für uns besprochen wurde. Zum anderen eine Retrospektive zum Werk des indischen Stadtplaners und Architekten Balkrishna Doshi, die neben der Kuratorin Jolanthe Kugler unter Mitarbeit der Enkelin des Architekten Khushnu Hoof realisiert werden konnte und deren Publikation von Julia Selzer besprochen wird. Wir alle werden nach den Wiedereröffnungen der Museen sicher den unschätzbaren gesellschaftlichen Wert dieser Institutionen nochmals in anderem Licht sehen. In den nächsten Wochen bleiben uns die Bücher und die virtuellen Reisen durch Museen, Sammlungen und auch Ausstellungen. Selbst universitäre Studienfahrten der Kunstgeschichte müssen einstweilen als virtuelle Exkursionen stattfinden! Vielfältig existieren gelungene digitale Präsentationen, etwa zu Gerhard Richters Painting After All, eine Ausstellung im Metropolitan Museum, die im Frühjahr nach nur neun Tagen aufgrund der Pandemie schließen musste. Seit Anfang November kann die Online- Aufbereitung eines 360º Exhibition Walkthrough1 einen Eindruck vermitteln.Unseren Autorinnen und Autoren, die uns ihre Rezensionen aus ihren Rückzugsorten in den Homeoffices schicken, gilt wie immer unser herzlicher Dank. Die vorliegende Ausgabe wurde mit der bewährten redaktionellen Unterstützung von Celina Berchtold und Anna Baumer und der neuen Unterstützung durch Hannah Semsarha und Carla Nadermann realisiert, denen wir ebenfalls herzlich danken. Uns bleibt, nach diesem schwierigen und krisenreichen Jahr, Ihnen allen vor allem Gesundheit zu wünschen!

Christoph Wagner, Birgit Ulrike Münch (Hrsg.)

Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2019)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 290 g
Erscheinungsdatum: 09. Dezember 2019
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

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