Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2015 Heft 2

Heft 2 von 2015

Vorwort der Herausgeber Medienwechsel Es gab noch nie so viele Bücher. Kaum zu glauben, aber schon Seneca warnte davor. Die allzu vielen Bücher mit ihrer stummen Mahnung, das alles noch nicht gelesen zu haben, bedrücken den Geist. Die Klage, dass allzu viel geschrieben werde, hallte auch durch die mittelalterlichen Skriptorien und der aus dem Übermaß der Lektüre resultierende Stress war schon in der Vormoderne ein viel beklagtes Phänomen. Konrad Gesner, der sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts bemühte, die in der Zeit zerstreuten Werke in eine historische Ordnung zu bringen, hatte bereits Gesetze zur Eindämmung der Bücherflut gefordert, „damit dann künftig die Begierde, einfach draufloszuschreiben, beherrscht werde, weil sie sonst ins Uferlose gehen wird.“ Der Klage stand dabei stets die Freude gegenüber, die ein gutes Buch seinem Leser zu bescheren vermag. Die Freude muss dabei nicht allein aus der Lektüre resultieren. Wie Walter Benjamin zutreffend beobachtet hat, ist es [...]

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Reihe: 1. Auflage (2015), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 30. Juni 2015
Artikelnummer: 51512 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Medienwechsel Es gab noch nie so viele Bücher. Kaum zu glauben, aber schon Seneca warnte davor. Die allzu vielen Bücher mit ihrer stummen Mahnung, das alles noch nicht gelesen zu haben, bedrücken den Geist. Die Klage, dass allzu viel geschrieben werde, hallte auch durch die mittelalterlichen Skriptorien und der aus dem Übermaß der Lektüre resultierende Stress war schon in der Vormoderne ein viel beklagtes Phänomen. Konrad Gesner, der sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts bemühte, die in der Zeit zerstreuten Werke in eine historische Ordnung zu bringen, hatte bereits Gesetze zur Eindämmung der Bücherflut gefordert, „damit dann künftig die Begierde, einfach draufloszuschreiben, beherrscht werde, weil sie sonst ins Uferlose gehen wird.“ Der Klage stand dabei stets die Freude gegenüber, die ein gutes Buch seinem Leser zu bescheren vermag. Die Freude muss dabei nicht allein aus der Lektüre resultieren. Wie Walter Benjamin zutreffend beobachtet hat, ist es nämlich beispielsweise unter Büchersammlern recht wenig verbreitet, die begehrten Objekte sammlerischen Eifers auch zu lesen. Und damit nicht genug, sei es ihm weit öfter begegnet, dass ein entliehenes Buch zurückgebracht wurde, als dass der Entleiher es denn tatsächlich auch gelesen hätte. Wer Bücher liebt, kann sich gegebenenfalls auch für die technische Qualität der Herstellung begeistern, für die Gestaltung oder die Illustrationen. Illuminierte Gebetbücher aus dem Umkreis der Nürnberger Pleydenwurff-Wolgemut- Werkstatt waren Luxusprodukte, deren Sinn sich bei Weitem nicht darin erschöpfte, einen literarischen Inhalt darzubieten. Ihnen ist eine neue Monographie gewidmet, die in diesem Heft besprochen wird. Darüber hinaus erfahren wir Neues über den Paragone in der Rangstreitkultur des Quattrocento in Malerei, Skulptur und Dichtung, über Bilder ohne Auftraggeber im deutschen Kunsthandel des 15. und 16. Jahrhunderts oder über Die Aktualität des Barock. Betrachtungen zu Rubens und sein Vermächtnis und Rembrandt and the Dutch Golden Age schließen an, des Weiteren neue Erkenntnisse zu Prints and the Pursuit of Knowledge in Early Modern Europe. In neuer Form werden die Formen, Funktionen und Bedeutungen Spätgotischer Marienleuchter oder der spezifische Kult zum Jesuskind in Frauenklöstern vorgestellt: Verehrt. Verwöhnt. Verklärt! Aus der Architekturgeschichte können die Leserinnen und Lesern auf Leo von Klenze, Die Kapelle Notre-Dame du Haut in Ronchamp von Le Corbusier oder auf August Essenwein als Architekt, Bauhistoriker, Denkmalpfleger und Museumsmann treffen. Avantgardebewegungen mit Blick auf das Bauhaus in Calcutta oder WChUTEMAS. Ein russisches Labor der Moderne, oder Die verhinderte Moderne der Nürnberger Künstler der „verschollenen Generation“ rücken in den Blick. Einige der hier besprochenen Bücher sind nicht nur klug gedacht, sondern darüber hinaus auch schön gemacht. Wo zu erhellenden Texten über Bilder die in möglichst guter Qualität reproduzierten Abbildungen eine visuelle Argumentation entfalten, erweist sich nicht selten das klassische Neben- und Hintereinander der Buchseiten als den digitalen Angeboten überlegen, etwa auf den Spuren der Altniederländischen Malerei aus nächster Nähe. Digitale Bücher und Zeitschriften prägen den gegenwärtigen wissenschaftlichen Alltag und ihre Zahl wird fraglos weiter wachsen. Seit Google 2005 mit seiner beispiellosen Digitalisierungskampagne begann, wurden weit mehr als sieben Millionen Bücher eingescannt. Doch längst nicht alles, was digitalisiert wurde, ließ und lässt sich auch online lesen. Die neuen digitalen Möglichkeiten und die teils eng gesteckten juristischen und ökonomischen Grenzen ihrer unbeschränkten Nutzung haben selbst zu unzähligen Publikationen Anlass gegeben, zu digitalen und zu analogen. Das Buch behauptet sich im Wettbewerb der Medien. Daran wird sich zumindest in nächster Zeit nichts ändern, denn die Diskurse auch über die sogenannten Neuen Medien und den Film finden bis auf Weiteres nicht zuletzt ganz wesentlich auch in Büchern statt. Davon zeugen beispielsweise die in diesem Heft besprochenen medienund filmwissenschaftlichen Publikationen zur Reflexionen des Holocaust in Fernsehserien und zur Mode im Film. Auch das Journal für Kunstgeschichte wird weiterhin in gedruckter Form erscheinen, doch haben die Herausgeber beschlossen, die Inhaltsverzeichnisse nun mit Erscheinen jeden Heftes digital zugänglich zu machen. Dieses Vorwort möchten wir – einer guten Tradition folgend – wieder mit dem Dank an unsere Autorinnen und Autoren beschließen, deren Arbeit das Rückgrat des Journals ist und bleibt. Als Herausgeber versuchen wir gerne den Blick auf interessante Neuerscheinungen aus unseren Interessengebieten zu lenken, doch sind wir auch stets für Rezensionsvorschläge offen, die unseren Wahrnehmungshorizont zu erweitern vermögen. Die auch einmal kritische Würdigung eines wichtigen Buches ist stets willkommen. Dank gilt auch dieses Mal wieder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Regensburg und Stuttgart, die unsere editorische Arbeit redaktionell unterstützt haben, allen voran in diesem Heft Frau Anne Wiegand und Frau Katharina Frank.

Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Reihe: (ZJB-JOUR)
Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2015)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 310 g
Erscheinungsdatum: 30. Juni 2015
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

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