Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2016 Heft 4

Heft 4 von 2016

Vorwort der Herausgeber Seit den Anfängen des aus der Künstlergeschichte erwachsenen Faches werden mit großer Selbstverständlichkeit Werkverzeichnisse von Künstlerinnen und Künstlern erstellt. Die methodischen Grundlagen dafür wurden bereits im 19. Jahrhundert entwickelt, wobei der Holbein-Streit nicht nur ein vertieftes Bewusstsein für die Probleme der Stilkritik zur Folge hatte, sondern auch eine allgemeine Kritik an der Erstellung von OEuvrekatalogen. Schon Heinrich Wölfflin hatte eine ‚Kunstgeschichte ohne Namen‘ gefordert und die auch in der Kunstgeschichte aufgegriffene Idee vom ‚Tod des Autors‘, die z. B. Roland Barthes propagiert hatte, konnte die Katalogisierung und Verzeichnung von Werken zwischenzeitlich als eine eher zweifelhafte Beschäftigung erscheinen lassen. In der Folge hat man in manchen Feldern der neueren kunsthistorischen Forschung die dem Fach traditionell verbundene Stilgeschichte aus dem Blick verloren. An die Seite einer Kunstgeschichte als Objektwissenschaft traten seitdem vielfältige Varianten einer bildwissenschaftlich argumentierenden Kulturund Medienwissenschaft, die der methodischen Erneuerung und der transdisziplinären Strahlkraft der Kunstgeschichte [...]

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Reihe: 1. Auflage (2016), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 28. November 2016
Artikelnummer: 51614 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Seit den Anfängen des aus der Künstlergeschichte erwachsenen Faches werden mit großer Selbstverständlichkeit Werkverzeichnisse von Künstlerinnen und Künstlern erstellt. Die methodischen Grundlagen dafür wurden bereits im 19. Jahrhundert entwickelt, wobei der Holbein-Streit nicht nur ein vertieftes Bewusstsein für die Probleme der Stilkritik zur Folge hatte, sondern auch eine allgemeine Kritik an der Erstellung von OEuvrekatalogen. Schon Heinrich Wölfflin hatte eine ‚Kunstgeschichte ohne Namen‘ gefordert und die auch in der Kunstgeschichte aufgegriffene Idee vom ‚Tod des Autors‘, die z. B. Roland Barthes propagiert hatte, konnte die Katalogisierung und Verzeichnung von Werken zwischenzeitlich als eine eher zweifelhafte Beschäftigung erscheinen lassen. In der Folge hat man in manchen Feldern der neueren kunsthistorischen Forschung die dem Fach traditionell verbundene Stilgeschichte aus dem Blick verloren. An die Seite einer Kunstgeschichte als Objektwissenschaft traten seitdem vielfältige Varianten einer bildwissenschaftlich argumentierenden Kulturund Medienwissenschaft, die der methodischen Erneuerung und der transdisziplinären Strahlkraft der Kunstgeschichte sicherlich gut getan haben und doch auch Verluste mit sich brachten. Immerhin hat es Werkverzeichnisse während all dieser Entwicklungen weiterhin in großer Zahl gegeben und mit dem neuen Jahrtausend brachte der Material turn in den Geistes- beziehungsweise Kulturwissenschaften das Bewusstsein für die Bedeutung der Arbeit an den Objekten zurück. Zugleich entwickelte sich auch die Kunsttechnologie zu einer zunehmend wichtiger werdenden Bezugswissenschaft der Kunstgeschichte, die neue Fragestellungen und Methoden hervorbrachte, die bei der Erarbeitung von Werkverzeichnissen zunehmend Berücksichtigung fanden. Doch nicht nur die Erforschung der materiellen Beschaffenheit von Kunstwerken hat heute wieder ihre eigene Bedeutung, sondern auch die Überlieferungsgeschichte der einzelnen Objekte ist als unverzichtbarer Teil der Kunstgeschichte verankert: Spätestens seit dem medienwirksamen ‚Fall Gurlitt‘ hat auch ein breites Publikum vor Augen, dass Werkverzeichnisse und die sorgfältige Katalogisierung von Werken als Grundlage und Ergebnis der Provenienzforschung unerlässlich sind. Zudem hat sich allgemein die Einsicht durchgesetzt, dass im Feld der Digital Humanities die Sammlung und Dokumentation von Werken auch neuen Fragestellungen und Ergebnissen den Weg bereiten kann: Diese Möglichkeiten werden heute im Bereich der Digitalen Kunstgeschichte mit der Methodologie des Fachs verbunden. Die materielle Kulturüberlieferung bleibt mithin eine stets aktuelle epistemologische Prämisse auch der elaboriertesten Forschungsfragen. In historischer Perspektive macht das Nachdenken über die kulturelle Bedeutung von Kunstwerken nur Sinn, wenn deren Entstehungszeit und -umstände nicht bekannt sind. Doch wie soll man die Werke verzeichnen? Ist es im 21. Jahrhundert noch sinnvoll, Werkverzeichnisse in Buchform zu publizieren? Sollten Werkverzeichnisse nur noch digital publiziert werden? Bieten hybride Formen, in denen die Vorteile beider Publikationsformen zusammenkommen, sinnvolle Alternativen? Diese und andere aktuelle Fragen zu ‚Werkverzeichnissen 2.0: print, digital, hybrid?‘ diskutieren wir derzeit, unter anderem auf einer Tagung vom 23. bis 24. November 2016 in Heidelberg. Unabhängig von den Ergebnissen dieser Diskussionen bleibt gewiss, dass gedruckte Werkverzeichnisse auch in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle spielen werden. Entsprechend sind in diesem Heft gleich mehrere OEuvrekataloge besprochen: Dazu gehören zwei Bände des Corpus Rubenianum Ludwig Burchard und der Catalogue Raisonné der Handzeichnungen von Hans Purrmann (1895–1966) sowie ein Katalog der monumentalen Tafelkreuze des Trecento (ca. 1290–ca. 1400). Doch ist – wie immer – der Bogen weit gespannt: Neben Rezensionen zur deutschen und niederländischen Kunst der Frühen Neuzeit reicht das Spektrum der Beiträge von der Geschichte von Dürers Ruhm über Festgaben aus Floras Füllhorn, Pomonas Gärten und vom Helikon bis zu Wiederholung und Experiment bei Edgar Degas und der Würdigung der letzten futuristischen Ausstellung der Malerei. Zudem wird unter anderem die Diplomatie im Zeitalter von Rubens, die Antwerpener Kunst in der Zeit des Bildersturms oder die ephemere Kunst des triumphalen Einzugs von Albrecht und Isabella in den Niederlanden vorgestellt. Wie stets an dieser Stelle gebührt den Autorinnen und Autoren dieses Heftes unser besonderer Dank, die durch ihre Beiträge diese Zeitschrift zu einem lebendigen Forum des kritischen Austausches werden lassen. Dank gebührt aber auch wieder den Mitarbeiterinnen in Regensburg und Stuttgart, allen voran Anne Wiegand, aber auch Sabrina Lind und Katharina Frank, die unsere editorische Arbeit wie immer tatkräftig unterstützt haben.

Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Reihe: (ZJB-JOUR)
Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2016)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 295 g
Erscheinungsdatum: 28. November 2016
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

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