Christoph Wagner, Nils Büttner (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2019 Heft 4

Heft 4 von 2019

Vorwort der Herausgeber Ruhe, Rekreation und neue Kraft Wer auf den Gebieten seiner Forschung und Lehre auf dem neuesten Stand bleiben will, muss viel lesen. Wessen Beruf es ist, sich fachlich zu äußern, der muss lesen, um zu schreiben. Je mehr davon gedruckt wird, desto mehr ist gelesen worden und muss gelesen werden. Es ist die Hauptbeschäftigung aller, die auf dem Feld der Geisteswissenschaften tätig sind. Im Deutschen mag man geneigt sein, das als Arbeit zu bezeichnen. Das Lateinische war da subtiler. Seneca zum Beispiel hätte für das Lesen als geisteswissenschaftliche, ökonomische, politische oder soziale Inanspruchnahme vielleicht den Begriff occupatio verwandt. Es ist ein neutraler Begriff, der einfach jede Art von Betätigung oder Beschäftigung beschreiben kann. Wenn diese Form der Inanspruchnahme Teil der alltäglichen Geschäfte ist, der als officium bezeichneten Aufgabe und Pflicht, die man zu erledigen hat, weil sie eben Teil des nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen ausgeübten Berufs [...]

11,00 

Enthält 7% Mwst.
zzgl. Versand
Lieferzeit: ca. 2-3 Werktage
1. Auflage (2019), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 09. Dezember 2019
Artikelnummer: 51914 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Ruhe, Rekreation und neue Kraft Wer auf den Gebieten seiner Forschung und Lehre auf dem neuesten Stand bleiben will, muss viel lesen. Wessen Beruf es ist, sich fachlich zu äußern, der muss lesen, um zu schreiben. Je mehr davon gedruckt wird, desto mehr ist gelesen worden und muss gelesen werden. Es ist die Hauptbeschäftigung aller, die auf dem Feld der Geisteswissenschaften tätig sind. Im Deutschen mag man geneigt sein, das als Arbeit zu bezeichnen. Das Lateinische war da subtiler. Seneca zum Beispiel hätte für das Lesen als geisteswissenschaftliche, ökonomische, politische oder soziale Inanspruchnahme vielleicht den Begriff occupatio verwandt. Es ist ein neutraler Begriff, der einfach jede Art von Betätigung oder Beschäftigung beschreiben kann. Wenn diese Form der Inanspruchnahme Teil der alltäglichen Geschäfte ist, der als officium bezeichneten Aufgabe und Pflicht, die man zu erledigen hat, weil sie eben Teil des nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen ausgeübten Berufs ist, hätte ihm aber auch der Begriff negotium zur Verfügung gestanden. Es ist ein Geschäft von Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern, selbst Texte zu verfassen und solche anderer zu lesen. Abhängig auch von der Qualität der zu lesenden Texte bedeutet das manchmal auch Arbeit, im Lateinischen labor. Es kann positiv schlicht jede Form engagierten Bemühens bezeichnen oder negativ die Anstrengungen und Strapazen beschreiben, mit denen die als negotium beschriebene Beschäftigung verbunden ist. Sie hat im otium ihren Widerpart, in jeder nicht mit Beschäftigung gefüllten, selbstbestimmten Freizeit. Es sind die Mußestunden, in denen man nicht liest, was gelesen werden muss, sondern was gelesen werden will. Stunden, in denen man nicht einmal entfernt an das Korrekturlesen denkt, oder daran, was man noch alles lesen müsste. Dieses geistig genutzte otium, das keine Verschwendung von Lebenszeit ist (inertia), galt den antiken Philosophen als höchstes Ziel menschlichen Daseins. Manchmal lässt es sich nur erreichen, wenn man durchaus geliebte Formen der Beschäftigung aufgibt, wie etwa die Herausgabe eines wissenschaftlichen Fachorgans. Für Nils Büttner, der das in Kollegialität im Jahr 2013 begonnene und in Freundschaft beendete Projekt der gemeinsamen Herausgeberschaft mit Christoph Wagner verlässt, bedeutet das hoffentlich mehr freie Zeit, für Birgit Ulrike Münch, die ab 2020 an seine Stelle treten wird, hoffentlich kein Übermaß an Beschäftigung. Für das Journal für Kunstgeschichte bedeutet es aber in jedem Fall neuen Wind und die Erschließung neuer Rezensenten, die sich den anders gelagerten fachlichen Interessen und dem damit einhergehenden Perspektivwechsel verdanken. Es werden andere Ausschnitte des überbordenden Buchmarktes in den Fokus treten und mit den neuen Themen hoffentlich auch neue Rezensentinnen und Rezensenten gewonnen. Nils Büttner wird dem Journal als Autor wie als Leser verbunden bleiben. Denn das Journal zu lesen ist, als reine Freizeitbeschäftigung betrieben, ein Genuss. Oder, um es mit Horaz zu sagen, „beatus ille, qui procul negotiis“, „glücklich jener, der fern von Geschäften.“ Horaz hat übrigens in seiner Ars poetica sehr klug angemerkt, dass allen Beifall gewinne, wer in einem Text das Nützliche mit dem Angenehmen verbinde. Wie stets ist es den Autorinnen und Autoren dieses Heftes zu danken, dass wieder ein ansprechend und vergnüglich belehrendes Heft vorliegt. Das Themenspektrum reicht dabei von der mittelalterlichen Architekturrezeption zwischen Weser und Ostsee am Beispiel der Klosterkirche in Lippoldsberg über Architektur in Polen und das Altenberger Altar bis zur allgemeinen Frage der Bilder an Hochaltären oder zu mittelalterlichen Apokalypse-Illustrationen. Neben dem deutlichen Mittelalter-Schwerpunkt bietet dieses Heft aber auch wieder Besprechungen zu Neuerscheinungen auf den Gebieten der Neuzeit, der Moderne und der Bildwissenschaften. Hier reicht das Spektrum von der Blindheit in der Kunst bis zu Winckelmanns Dresdner Schriften zur Frage jener Folgen, die sich aus der Metapher der Kunst als Übersetzung ergaben. Auch die neueren Künste sind vertreten: so werden Neuerscheinungen zu dem Dresdner Impressionisten Robert Sterl, Künstler in Weimars Kunstschule zwischen 1860 und 1919, sowie die sakrale Glasmalerei der 1960er bis 1980er Jahre und die Bild-Dialoge des Malers Michael Triegel in den Focus gerückt. Diese wie stets reiche Auswahl an besprochenen Neuerscheinungen ist dabei doch nur ein kleiner Ausschnitt an relevanten Neuerscheinungen. Und so sei an dieser Stelle nicht nur der obligate Dank an die Autorinnen und Autoren dieses Heftes, sondern zugleich die Einladung ausgesprochen, die Redaktion mit kritischen Stellungnahmen zu wichtigen Büchern zu versorgen. In jedem wissenschaftlich gebildeten Leser steckt stets auch ein potenzieller Rezensent, auf dessen Texte die Herausgeber angewiesen und die Leser gespannt sind. Am Schluss des Vorwortes steht sonst immer der Dank an die Mitarbeiterinnen in Regensburg und Stuttgart, der auch dieses Mal erbracht sei. Diesmal soll er aber den Abschied vom alten Redaktionsteam bilden, der zugleich die Vorfreude auf das Neue wecken so

Christoph Wagner, Nils Büttner (Hrsg.)

Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2019)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 281 g
Erscheinungsdatum: 09. Dezember 2019
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

Folgende Downloads stehen für diesen Titel zur Verfügung: