Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2017 Heft 1

Heft 1 von 2017

Vorwort der Herausgeber Die Wahl und Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten hat in den letzten Wochen und Monaten auch in Deutschland politische Wellen geschlagen. Aber hat das überhaupt etwas mit der Kunstgeschichte als Fach bzw. Lebens- und Berufsfeld zu tun? War da noch etwas? „No deal for the arts: It’s no surprise that Donald Trump wants to tell the arts and humanities ‚you’re fired‘“ titelte zwei Tage nach der Amtseinführung am 22. Januar die Blog-Zeitschrift SALON, begleitet von vielfältig erfrischend respektlosen Kommentaren auf den Social Media-Plattformen. Trotz dieses Paukenschlages, der den imposanten Auftritt eines Elefanten im akademischen Porzellanladen begleitete, überraschen nahezu zeitgleich auch die deutlich verhaltenen Zeilen, die dem scheidenden Präsidenten zu diesem Themenfeld rückblickend gewidmet werden: „We will miss Barack Obama for a lot of things but not his cultural policy. The president has done some very good things. But his support for the arts and humanities is not [...]

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1. Auflage (2017), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 27. März 2017
Artikelnummer: 51711 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Die Wahl und Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten hat in den letzten Wochen und Monaten auch in Deutschland politische Wellen geschlagen. Aber hat das überhaupt etwas mit der Kunstgeschichte als Fach bzw. Lebens- und Berufsfeld zu tun? War da noch etwas? „No deal for the arts: It’s no surprise that Donald Trump wants to tell the arts and humanities ‚you’re fired‘“ titelte zwei Tage nach der Amtseinführung am 22. Januar die Blog-Zeitschrift SALON, begleitet von vielfältig erfrischend respektlosen Kommentaren auf den Social Media-Plattformen. Trotz dieses Paukenschlages, der den imposanten Auftritt eines Elefanten im akademischen Porzellanladen begleitete, überraschen nahezu zeitgleich auch die deutlich verhaltenen Zeilen, die dem scheidenden Präsidenten zu diesem Themenfeld rückblickend gewidmet werden: „We will miss Barack Obama for a lot of things but not his cultural policy. The president has done some very good things. But his support for the arts and humanities is not among them“ (Scott Timberg, 19. Januar 2017). Offensichtlich werden Obama immer noch seine am 30. Januar 2014 vor Fabrikarbeitern in Wisconsin spontan zur Kunstgeschichte dahingesagten Sätze nachgetragen: „I promise you, folks can make a lot more potentially with skilled manufacturing or the trades than they might with an art history degree“. Unter dem Schlagwort ‚Obama vs. Art History‘ gelangte so eine für die Kunstgeschichte wenig angenehme Botschaft in die Welt. Da nutzte es wenig, dass Obama selbst umgehend dementierte, „Nothing wrong with art history degree … I love art history“, und die Schlagzeile folgte: „ Obama apologizes to art history prof“. Szenenwechsel: Lüneburg ist keine kleine Stadt. Der Vorort Hamburgs hat rund 75 000 Einwohner und sogar eine Universität, an der auch die Kunstgeschichte als akademisches Fach gelehrt wird. Es gibt, einmal abgesehen von einer der üblichen Buchhandelskettenfilialen, die in einem ortsansässigen Kaufhaus untergebracht ist, zwei Buchhandlungen. Die unmittelbar am Marktplatz gelegene gibt schon durch den Namen LüneBuch zu erkennen, dass sie das erste Haus am Platze ist. Den reisenden Kunsthistoriker verlangt es nach Lektüre. Auf die Frage, wo denn die Abteilung mit den Kunstbüchern sei, ist betretenes Schweigen die Reaktion. Dann, gleichsam als Nachsatz des beredten Schweigens, folgt das freundliche Angebot: „… aber wir können Ihnen sowas gerne bestellen!“ Bei aller Freundlichkeit klingt doch das ‚sowas‘ in den Ohren nach, wie eine Aufforderung zur Scham. Das freundlich nachgesetzte „Wir können alles bestellen!“ macht es nicht besser. Dass Abteilungen für kunsthistorische Bücher in deutschen Buchhandlungen keine Selbstverständlichkeit mehr sind, war uns schon zwei Wochen zuvor in Dresden – immerhin Landeshauptstadt und mit knapp 545 000 Einwohnern und nach Leipzig die zweitgrößte Stadt Sachsens – aufgefallen. Aber das war auch hier lediglich die Filiale einer Buchhandelskette – in einem Einkaufszentrum. Das größte Fachgeschäft in einer Universitätsstadt ohne ein Regal für kunsthistorische Publikationen ist ein alarmierendes Signal. Wenigstens war das Personal freundlich. Zudem fand sich nach einigem Suchen doch ein kunsthistorisches Buch. Ein Ausstellungskatalog zu Hieronymus Bosch, vorgelegt mit dem salvatorischen Hinweis: „Der Maler hatte ja letztes Jahr Jubiläum. Jetzt ist Luther.“ Wenigstens ein Jubiläum wie der 500. Todestag eines noch immer populären Malers vermag den Gegenständen der Kunstgeschichte noch zu Beachtung zu verhelfen. Und auch für dieses Jahr besteht Hoffnung. Die kunsthistorische Welt mag es als Glücksfall begreifen, dass der Maler Lucas Cranach dem großen Reformator nahestand und ihn effektvoll ins Bild gesetzt hat. So wird es wenigstens Cranach in diesem Jahr in den Dresdener Buchladen schaffen. Andernorts hat die Kunstgeschichte ganz andere Probleme: So hat das Rektorat der Universität Osnabrück beschlossen, die demnächst freiwerdenden Professuren für Kunstgeschichte nicht wieder zu besetzen. Man plant die Schließung des Instituts. Wer nach weiteren Symptomen für die Diagnose Ausschau hält, dass die Kunstgeschichte gut beraten ist, verstärkt auf die Relevanz in der öffentlichen Wahrnehmung zu achten, braucht nicht lange suchen. Das Fehlen einer eigenen Abteilung in einem Buchladen an einem Hochschulstandort mag man vielleicht als randständiges Kuriosum abtun, man kann es aber auch als weiteres Symptom für den Rückzug der Kunstgeschichte aus dem allgemeinen Bildungskanon lesen. Die Frage nach den Ursachen führt zurück in jene Zeit, als vor einem halben Jahrhundert die Lehrerbildung reformiert wurde und die universitäre Kunstgeschichte in der Lehramtsausbildung an Gewicht verlor. Es wurden seitdem Generationen von Kunsterziehern ausgebildet, denen die Inhalte des historischen Faches ferner lagen als die eigene künstlerische Arbeit. Aus diesen Lehrern wurden Fachleiter, die obendrein noch um jede Stunde des bedrohten Kunstunterrichts kämpfen mussten. Kunsthistorische Inhalte verschwanden nicht selten aus den Bildungsplänen, zugleich wuchs die Sehnsucht nach dem Zugang zu einer Kunst, die inzwischen mehr Menschen in Museen als in Fußballstadien lockt. Die Konsequenzen werden jetzt nicht nur in Osnabrück oder Lüneburg sichtbar. Die Erosion der dem Fach beigemessenen Bedeutung muss aktiv gestoppt werden. Um in Zeiten der Globalisierung kulturelle Kompetenz zu stärken, gilt es, die Kunstgeschichte wieder in den Bildungsplänen zu verankern. Bis es soweit ist, muss jede Möglichkeit genutzt werden, Sichtbarkeit für das Fach herzustellen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten kann und soll auch unser Journal dazu einen Beitrag leisten. Zu Beginn wird das Augenmerk in epochenübergreifender Perspektive auf das Wissen der Oberfläche, das nicht mit ‚Oberflächlichkeit‘ gleichzusetzen ist, sodann auf Adolph Goldschmidts Corpuswerke zu den Elfenbeinskulpturen des Mittelalters und den Renaissancefürsten Christoph im Zeitalter der Reformation gerichtet. Im Mittelpunkt der vorliegenden Ausgabe stehen sodann als Themenschwerpunkt die zahlreichen anlässlich des Bosch-Jubiläums erschienenen Publikationen. Was haben der Hype um den rätselhaften Künstler und die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit für Erträge gebracht? Aber auch das Unternehmen Hendrick Goltzius, Hans Memling und das 19. Jahrhundert mit Blick auf Schadow bis Schuch werden im ersten Heft des 21. Jahrgangs zum Thema gemacht. In der Moderne widmen wir uns Picassos Transfigurations und den Kameraexpeditionen im türkischen Exil nach 1933. Last but noch least lassen wir uns durch eine europäische Flussbiografie an den Rhein und auf den Spuren inszenierter Geschichtsbilder nach Bayerisch- Schwaben entführen. Wie immer an dieser Stelle sind wir den Autoren zu Dank verpflichtet, die durch Ihre Beiträge diese Zeitschrift zu dem machen, was sie ist. Dank gilt aber wie immer auch unseren Mitarbeiterinnen, an erster Stelle Anne Wiegand in Regensburg, aber auch Sabrina Lind in Stuttgart.

Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2017)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 295 g
Erscheinungsdatum: 27. März 2017
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

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