Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2017 Heft 2

Heft 2 von 2017

Vorwort der Herausgeber Produktive Unzufriedenheit Von Walter Benjamin stammt die kluge Beobachtung, dass die meisten Bücher nur deshalb geschrieben werden, weil ihre Autoren mit denen unzufrieden sind, die sie kaufen könnten. Vor der Unzufriedenheit, die zum Ausgangspunkt der Produktivität werden kann, steht dabei die kritische Lektüre von Geschriebenem. Die wohl bei Weitem meisten Autoren sind deshalb auch Leser, eine zumal für wissenschaftliche Autoren unerlässliche Tugend. Wo nämlich bliebe der wissenschaftliche Diskurs, wenn niemand mehr liest, was andere schreiben? Dabei ist es eine vielgeteilte Erfahrung wissenschaftlicher Autoren, dass dem eigenen Schreiben ein Vielfaches an Lektüre vorausgeht. Dabei steckt die Endlichkeit der verfügbaren Zeit jedem Lesen und Schreiben enge Grenzen. Deshalb belastet, wie schon Seneca feststellte, die Menge des Geschriebenen den Lernenden, statt ihn zu belehren. Es sei deshalb viel besser, sich wenigen Autoren anzuvertrauen, als sich durch viele zu verirren. Was Seneca in seiner Schrift De tranquillitate animi (9, 4–7) [...]

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1. Auflage (2017), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 26. Juni 2017
Artikelnummer: 51712 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Produktive Unzufriedenheit Von Walter Benjamin stammt die kluge Beobachtung, dass die meisten Bücher nur deshalb geschrieben werden, weil ihre Autoren mit denen unzufrieden sind, die sie kaufen könnten. Vor der Unzufriedenheit, die zum Ausgangspunkt der Produktivität werden kann, steht dabei die kritische Lektüre von Geschriebenem. Die wohl bei Weitem meisten Autoren sind deshalb auch Leser, eine zumal für wissenschaftliche Autoren unerlässliche Tugend. Wo nämlich bliebe der wissenschaftliche Diskurs, wenn niemand mehr liest, was andere schreiben? Dabei ist es eine vielgeteilte Erfahrung wissenschaftlicher Autoren, dass dem eigenen Schreiben ein Vielfaches an Lektüre vorausgeht. Dabei steckt die Endlichkeit der verfügbaren Zeit jedem Lesen und Schreiben enge Grenzen. Deshalb belastet, wie schon Seneca feststellte, die Menge des Geschriebenen den Lernenden, statt ihn zu belehren. Es sei deshalb viel besser, sich wenigen Autoren anzuvertrauen, als sich durch viele zu verirren. Was Seneca in seiner Schrift De tranquillitate animi (9, 4–7) ausführt, ist heute wahrer denn je: Die Zahl der Neuerscheinungen ist in Deutschland im vergangenen Jahr auf nie dagewesene 76.547 Titel geklettert. Allen Unkenrufen zum Trotz erscheinen im digitalen Zeitalter mehr Bücher als im vergangenen analogen Saeculum, dessen Bücherflut schon zu reichlich Klagen Anlass gab. Umso wichtiger aber wird ein Leitfaden, der zu jenen Autoren führt, denen man sich bedenkenlos anvertrauen kann. Sie aufzufinden, bedarf es dabei einiger Aufmerksamkeit, die es zugleich für die wertvollen Publikationen herzustellen gilt. Gute Bücher brauchen Besprechungen, deren Betrachtung dazu angetan ist, die Aufmerksamkeit der Fachöffentlichkeit auf eine als wichtig erkannte Neuerscheinung zu lenken. Doch soll man auch schlechte Bücher besprechen? Fraglos generiert und absorbiert auch ein Verriss Aufmerksamkeit, die für ein vielleicht besseres und wichtigeres Buch nicht mehr zur Verfügung steht. Der naheliegenden Forderung, nur gute Bücher zu besprechen, ist allerdings problematisch. Ihr steht dabei die Tatsache entgegen, dass die von Walter Benjamin mit Blick auf die Autoren von Monografien gemachten Beobachtungen sich auch auf die Verfasserinnen und Verfasser von Rezensionen übertragen lassen. Auch für sie ist nämlich nicht selten die Unzufriedenheit mit den vorhandenen Büchern der Grund, selbst zur Feder zu greifen. Diese Reaktion auf ein Buch ist dann zugleich wieder ein untrügliches Zeichen für die Bedeutung einer Neuerscheinung, die dazu geeignet ist, den Diskurs voran zu bringen. Auch und gerade kritische Besprechungen sind deshalb gefordert. Durch lobende Würdigungen, aber mehr noch durch kritische Betrachtungen wird unsere Zeitschrift vom bloßen Schaufenster des aus den Fugen geratenen Buchmarktes zum notwendigen Schauplatz des Diskurses. Auch in diesem Heft versuchen wir wieder, die fachliche Auseinandersetzung in begründeten Ausschnitten abzubilden. Ein Blick auf Heiligengräber in Frankenreich und auf die Ikonografie der Tiere auf Burgen und frühen Schlössern eröffnet den Reigen der Vorstellung von Neuerscheinungen zur Kunstgeschichte des Mittelalters. Sie findet ihre Fortsetzung in einer auch methodisch interessanten Fallstudie zu den Göttinger Kirchen des Mittelalters und einer kritischen Auseinandersetzung mit einem neuen Buch über die Apokalypse in der mittelalterlichen Buchkunst. In den weiteren Bereich von Kunst und Architektur der Vormoderne gehören eine dem Augsburger Stadtwerkmeister Elias Holl (1573–1646) gewidmete Publikation, eine Publikation über die Wiener Hofburg (1705–1835) und ein Buch über die Altenberger Zisterzienserkirche in der späten Blütezeit des Klosters (1643–1779). Die Bildkünste dieser Epoche sind über eine Neuerscheinung zu dem Antwerpener Maler Jan de Beer (1475–1528) vertreten. Der Blick auf eine Neuerscheinung zu Wassily Kandinskys Unterricht am Bauhaus und die Würdigung eines Buches zu den noch heute sichtbaren Spuren des kolonialen Erbes weiten das Themenspektrum bis in die Gegenwart. Zu den Bestimmungen von Gruß- und Vorworten gehört es traditionell, allfälligen Dank abzustatten. Er gilt an dieser Stelle wieder einmal mehr unseren bewährten Mitarbeiterinnen an unseren Lehrstühlen in Regensburg und Stuttgart für ihre Unterstützung bei der Realisierung dieses Heftes. Vor allem gilt unser Dank aber wie stets den Autorinnen und Autoren, die mit ihrem Wissen und Können die Qualität dieser Zeitschrift bestimmen. Auch weiterhin sind wir auf die Unterstützung von kritischen Autorinnen und Autoren, Leserinnen und Lesern angewiesen, die wir hiermit herzlich einladen möchten, ihren wohlwollend kritischen Blick auf wichtige Neuerscheinungen mit anderen zu teilen.

Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2017)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 293 g
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2017
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

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