Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Journal für Kunstgeschichte – Jahrgang 2018 Heft 4

Heft 4 von 2018

Vorwort der Herausgeber Hurenkinder, Schusterjungen, Errata und Korrigenda Vom 10. bis 14. Oktober fand auch in diesem Jahr wieder die Frankfurter Buchmesse statt. Sie ist die größte Bücherschau der Welt. Rund 7.300 Aussteller aus mehr als 100 Ländern präsentierten den gut 300.000 Besucherinnen und Besuchern dort ihre Neuerscheinungen. Deren Menge ist fast genauso beeindruckend wie die der Verleger, Händler und Gäste aus aller Welt. Eine genaue Zahl ist dabei kaum zu ermitteln. Man darf aber wohl sicher davon ausgehen, dass – wie in den Vorjahren – allein rund 750.000 deutschsprachige Neuerscheinungen zu verzeichnen waren. So unsicher die genaue Anzahl bleibt, so sicher ist die Tatsache, dass wohl keines dieser Bücher frei von Fehlern ist. Über diese Tatsache ist, seit es Bücher gibt, viel nachgedacht und geschrieben worden. Man geht heute gemeinhin davon aus, dass es keinen Fehlerteufel gibt, der sich mit mephistophelischer Heimtücke einschleicht. Fehler gehören zu den Begleiterscheinungen jeder [...]

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Reihe: 1. Auflage (2018), 17 x 24 cm, Broschur klebegebunden,

Erscheinungstermin: 10. Dezember 2018
Artikelnummer: 51814 Kategorie:

Vorwort der Herausgeber Hurenkinder, Schusterjungen, Errata und Korrigenda Vom 10. bis 14. Oktober fand auch in diesem Jahr wieder die Frankfurter Buchmesse statt. Sie ist die größte Bücherschau der Welt. Rund 7.300 Aussteller aus mehr als 100 Ländern präsentierten den gut 300.000 Besucherinnen und Besuchern dort ihre Neuerscheinungen. Deren Menge ist fast genauso beeindruckend wie die der Verleger, Händler und Gäste aus aller Welt. Eine genaue Zahl ist dabei kaum zu ermitteln. Man darf aber wohl sicher davon ausgehen, dass – wie in den Vorjahren – allein rund 750.000 deutschsprachige Neuerscheinungen zu verzeichnen waren. So unsicher die genaue Anzahl bleibt, so sicher ist die Tatsache, dass wohl keines dieser Bücher frei von Fehlern ist. Über diese Tatsache ist, seit es Bücher gibt, viel nachgedacht und geschrieben worden. Man geht heute gemeinhin davon aus, dass es keinen Fehlerteufel gibt, der sich mit mephistophelischer Heimtücke einschleicht. Fehler gehören zu den Begleiterscheinungen jeder menschlichen und gesellschaftlichen Praxis. Sie sind und bleiben deshalb auch bei der Textproduktion und bei der Herstellung von Büchern unvermeidbar. Das soll nicht heißen, dass es an Bemühung mangeln würde, sie zu vermeiden. Doch auch den sorgfältigsten und manchmal auch perfektionistischsten Autorinnen und Autoren unterlaufen Fehler. Etliche werden gefunden. Andere entgehen auch den fleißigsten Lektorinnen und Lektoren. Allen Anstrengungen der Korrektorinnen und Korrektoren zum Trotz werden unzählbar viele gemacht und übersehen. Selbst wo inhaltliche und sachliche Irrtümer erfolgreich vermieden oder beseitigt wurden, bleiben falsche Kommata stehen, gibt es unklare Bezüge oder Buchstabendreher. Fehler sind gleichsam unausrottbar und schleichen sich, als finstere Kehrseite der Korrekturbemühungen, mit der Behebung anderer Fehler von Neuem ein. Und wenn nicht als Produkt der Verfasserinnen und Verfasser oder der bemühten Schar der Prüfenden, dann eben als Resultat der liebevollen Bemühungen von Gestalterinnen und Gestaltern. Ja, gerade der Satz und die mit ihm verbundenen Zwänge es Umbruchs sind ein nie versiegender Born unfassbar vieler Fehler. Tröstlich nur, dass die Toleranz ihnen gegenüber größer geworden ist. Früher galten ‚Hurenkinder‘ und ‚Schusterjungen‘ als gleichermaßen verderbliche Verfehlungen des Setzers. Die Hurenkinder, also jene letzten Zeilen von Absätzen, die einsam über einer neuen Seite hängen und von denen man nicht weiß, wo sie herkommen, gelten immer noch als Fehler. Die Schusterjungen aber, die ersten Zeilen von Absätzen, die unter einer Seite hängen und von denen man nicht weiß, wo sie hinlaufen, gelten neuerdings als lässliche Sünde. Für mehr Fehlertoleranz sorgen auch die Formen digitalen Lesens und Schreibens, mit denen alltäglich so viele Fehler in unser Leben dringen, dass jedes Schmerzempfinden allmählich erstirbt. Es gibt Schlimmeres als jene Satz- und Umbruchfehler, die im letzten Stadium der Herstellung eines Druckproduktes entstehen: Es sind all die inhaltlichen Fehler, die dann von mehr oder weniger wohlmeinenden Rezensenten bemerkt und ans Licht gezogen werden. Von diesen Fehlern, von den Freuden ihres Ausbleibens oder ihres Auffindens lebt das Journal für Kunstgeschichte. In seinen Beiträgen ist immer wieder von Irrtümern die Rede, die nun behoben sind oder zu beheben gewesen wären. Dass auch diese Zeitschrift mit ihren jährlich über vierhundert Druckseiten dabei nicht gegen Fehler gefeit ist, muss nicht eigens betont werden. Allerdings ist es selten unbemerkt geblieben, wenn Fehler passieren. Da gibt es Zahlendreher in ISBN-Nummern die durch eine falsche Übermittlung im Satz nun mit Gainsborough-Gemälden bebildert ist, die zwar schön sind, aber dort nicht zugehören, und die wissenschaftliche Arbeit eines Gegenwartskünstlers (ebd.), die nicht in der Rubrik ‚F.3. Bildkünste‘ erscheint, sondern unter der als gleichsam pejorativ empfundenen Kopfzeile ‚Ornament, Kunsthandwerk, Design, Fotografie‘ rubriziert ist. Gewöhnlich versteckt man Errata und Korrigenda im Appendix. Wer macht schon gerne seine Fehler öffentlich? Doch Fehler passieren und sind ein wunderbarer Ansporn, zukünftig besser zu werden. Wir wollen mit unseren eigenen Fehlern produktiv umgehen und uns bemühen, systematisch (und nicht nur zufällig) aus ihnen zu lernen. Wir wollen weiterhin die Augen offenhalten, um Fehler zu finden. Nicht nur in unseren eigenen Texten, sondern auch in denen anderer. Da werden wir dann gerne auch selbst als mahnende Rezensenten aktiv, wie wir uns auch von unseren Lesern eine solche kritische Aufmerksamkeit wünschen. Wir wollen das Journal als ein Organ verstanden wissen, das konstruktiv mit Irrtümern umgeht, mit den eigenen wie mit denen Dritter. Und so wollen wir auch dieses Vorwort wieder nutzen, potenzielle Rezensentinnen und Rezensenten anzusprechen und einzuladen, sich kritisch der Neuerscheinungen aus dem weiten Bereich der Kunst- und Kulturgeschichte anzunehmen. Das Aufspüren von Fehlern ist uns dabei stets willkommen, wobei wir uns nach Kräften weiter bemühen, selbst keine zu machen. Darum kämpfen auch unsere Mitarbeiterinnen in Regensburg und Stuttgart, denen für ihren großen Einsatz auchin diesem Heft unser Dank gilt.

Nils Büttner, Christoph Wagner (Hrsg.)

Reihe: (ZJB-JOUR)
Sprache: Deutsch
Auflage: 1 (2018)
Medium: Heft
Einbandart: Broschur klebegebunden
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 275 g
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2018
Verlag: Schnell & Steiner
Cover: Cover download

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